Annette Humpe (geb. am 28. Oktober 1950 in Hagen)

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Bereits 1996 wurde Annette Humpe mit dem Echo - Preis der Deutschen Schallplattenindustrie - als „Erfolgreichste Produzentin“ ausgezeichnet. Dieses Jahr wurde die Musikerin, Komponistin, Textdichterin und Produzentin mit dem Echo- Preis für ihr Lebenswerk ausgezeichnet.

Den zweiten Echo-Preis des Abends konnte Annette Humpe zusammen mit Adel Tawil, besser bekannt als Ich + Ich, als „Erfolgreichste Gruppe national Rock/Pop,“ in Empfang nehmen. Denn das dritte, von Annette Humpe produzierte Album von Ich + Ich, „Gute Reise“ (Universal Music), und die daraus ausgekoppelte Single erreichten gleichzeitig Platz eins der offiziellen Charts. Zwischenzeitlich wurde das Album mit mehrfach Gold und dreifach Platin ausgezeichnet und befindet sich nach 70 Wochen immer noch in den Charts.

In der Tat ist ihr langjähriges kreatives und vielseitiges Schaffen in der Musikszene beachtenswert. Mit ihren Gruppen Neon Babies, Ideal und DÖF gehört Annette Humpe zu den innovativen Vertretern der Neuen Deutschen Welle, die als Musikerin, Songautorin und Produzentin über die Jahre Substanz bewiesen hat. In ihrer langjährigen kreativen Schaffenszeit feierte sie immer wieder Charterfolge als Produzentin mit Künstlern wie Rio Reiser, Die Prinzen, Lucilectic, Falco und jüngst Max Raabe.

Zusammen mit ihrer Schwester Inga sorge Annette Humpe von klein auf für die musikalische Unterhaltung bei Familienzusammenkünften. „Es war nichts los in unserer Kleinstadt“, erzählt sie, „deshalb haben wir einfach permanent Musik gemacht.“ Mit Annette am Klavier haben die beiden Schwestern u.a. Beatles-Songs mit zweistimmigem Gesang vorgetragen. Mit neun Jahren hatten Annette bereits zwei Jahre Klavierunterricht hinter sich, bis sie dazu keine Lust mehr hatte und dazu überging, selbst alles, was es im Radio zu hören gab, nachzuspielen. Mit dreizehn fing sie wieder mit dem klassischen Unterricht an. Nach dem Abitur am Humboldt Gymnasium 1971 studierte sie sechs Semester an der Musikhochschule in Köln, bis sie erneut von der Theorie genug hatte. Sie brach ihr Studioum ab und zog anschließend nach Berlin, wo sie die Praxis auf der Bühne bevorzugte.

1974 fing sie an, Keyboards bei der Musiktheatergruppe Group Therapy zu spielen, die auch Pantomime- und Tanzdarbietungen in ihr Programm integrierte. Als sich die Gruppe auflöste, spielte sie bei der Transvestitenband Pink Wave, bevor sie 1978 in der Anfangszeit der Neuen Deutschen Welle die Neon Babies mit ihrer Schwester gründete. Anschließend war sie Mitglied der Gruppe Expectors, bevor sie 1979 bei der Band Ideal mitwirkte. In der Zeit zwischen 1981 bis 1983 war die Gruppe mit Titeln wie „Eiszeit“, „Blaue Augen“ und „Monotonie“ in den Charts vertreten, die alle aus der Feder von Annette Humpe stammen.

1983 gelang der Musikerin und Songschreiberin Annette Humpe ein kometenhafter Start als Produzentin: Die Single „Codo“ von der Gruppe DÖF (WEA) düste im Sauseschritt auf Platz eins der Media-Control-Charts, wo sie sich sechs Wochen lang behaupten konnte. Zusammen mit Annette und Inga bildeten die beiden österreichen Musikkabarettisten Josi Prokopetz und Manfred Tauchen die Gruppe Deutsch-Österreichische- Freundschaft. Insgesamt war der Titel 18 Wochen in den Charts vertreten, verkaufte über 500.000 Singles und erreichte damals Goldstatus. Von dem Longplayer, der den Namen der Gruppe trägt, wurden 180.000 Stück verkauft. Er erreichte Platz neun und hielt sich 14 Wochen in den Charts.

1985 ist die Single „3 of Us“ aus dem Album „Humpe & Humpe“ (WEA) erschienen. Diese kam auf Rang 19 und war 16 Wochen in den Charts vertreten. Die 1987 veröffentlichte Single „Careless Love“ kletterte hierzulande auf Rang 24 und war ebenfalls in Großbritannien unter dem Gruppenanmen Swimming with Sharks in den Charts vertreten. Die Single „No Longer Friends“ kletterte auf Platz 22, wobei das von Armand Volker produzierte Album „Swimming with Sharks“ bis auf Rang 54 kam.

Zusammen mit Udo Arndt produzierte Annette Humpe 1986 das Debütalbum von Rio Reiser „Rio I“ (CBS), das bis auf Rang 26 kam und 17 Wochen in den Charts vertreten war. Die daraus ausgekoppelte Single „König von Deutschland“ des inzwischen zum Kult avancierten Sängers kam bis auf Platz 27 und war fünf Wochen in den Charts notiert. 1992 folgte das zweite Rio Reiser-Album „Über alles“.

1990 begann die Zusammenarbeit mit einer jungen A-cappella-Gruppe aus dem Osten Deutschlands: Die Prinzen. Mit dem von Annette Humpe produziertes und co-geschriebenes Debütalbum „Das Leben ist grausam“ erzielte sie 1992 einen Top 5-Charterfolg, der 45 Wochen in den Charts notiert blieb und Doppelplatin erzielte. Daraus gingen folgende Singlehits hervor: „Gabi und Klaus“ (Höchstnotierung 24 mit 16 Wochen) und „Millionär“ (Rang 36 und 16 Wochen Charts). Das im Oktober 1992 produzierte Folgealbum „Küssen verboten“ fand ebenfalls die Gunst des Publikums und kletterte bis auf Platz sechs. Die gleichnamige Single erreichte Platz 17. „Mann im Mond“ (Platz 30 mit 17 Wochen) und „Mein Fahrrad“ (Platz 68 mit neun Wochen Charts). Im November 1993 kletterte das Album „Alles nur geklaut“ auf Platz 4, war 42 Wochen in den Verkaufslisten vertreten und erreichte Dreifachgold. Die gleichnamige Single wurde ebenfalls mit Gold ausgezeichnet. 1995 kletterte das von Annette Humpe produzierte und co-geschriebene Album „Schweine“ auf Platz 3, blieb 38 Wochen notiert und erreichte Goldstatus. Daraus ging die ebenfalls mit Gold ausgezeichnete Single „Du musst ein Schwein sein“ hervor.

1994 produzierte Annette Humpe das Album „Mädchen“ von Lucilectric (SingSing). Daraus ist der Titeltrack als Single hervorgegangen, der bis auf Rang 2 kam und 23 Wochen in den Charts notiert blieb und Goldstatus erzielte.

1996 erhielt Annette Humpe den Musikpreis Echo als erfolgreichste Produzentin, was bis dahin der Höhepunkt ihrer musikalischen Karriere als Produzentin darstellte. Danach widmete sie sich überwiegend dem Songschreiben. „Ich sehe mich sowieso mehr als Songwriterin, als Musikproduzentin. Im ursprünglichen Sinn bin ich eine altmodische Produzentin“, erzählt Annette, „Wenn ich jemanden produziere, dann arbeite ich vorher ganz lange am Material mit. Meine Stärke liegt in der Bearbeitung des Repertoires von Künstlern, nicht in der technischen Aufnahme.“

Die Lehrjahre als Musikerin und Interpretin kann sie heute gut umsetzen und sagt: „Ich kenne es genau, wie es sich anfühlt, wenn Künstler Schwierigkeiten haben und sich beispielswiese im Studio, auf Tournee oder bei Fernsehauftritten überfordert fühlen.“

2000 produzierte sie das Album der Band Ohne Namen (X-Cell), deren Single „Take My Heart“ im Mai 2000 bis auf Rang 7 kletterte, 20 Wochen in den Charts war und mit Gold ausgezeichnet wurde. Dieser Titel erreichte sogar die „Billboard“-Charts in den USA.

2002 begann die Zusammenarbeit mit dem jungen Sänger und Rapper Adel Tawil. Dazu Annette Humpe: „Ich verlass mich auf mein Gefühl, und das hat mir bei Adels Stimme gesagt, dass ich mit ihm arbeiten soll.“
Das 2005 veröffentlichte Debütalbum „Ich und Ich“ kam auf Rang zehn, blieb 31 Wochen in den Charts und erreichte Platinstatus. Dieser Erfolg wurde vom Folgealbum „Vom selben Stern“ noch übertroffen. Im Juli 2007 kletterte das Album auf Rang zwei, war 33 Wochen in den Charts vertreten und verkaufte 1,25 Millionen Tonträger.
Daraus gingen die von Andreas Herbig neu gemischten Singles hervor, die alle inzwischen Platinstatus erreichten: „Vom selben Stern“ (Höchstnotierung 3), „Stark“ (Höchstnotierung Platz 2) und „So soll es bleiben“, die bis auf Rang 3 kam. 2010 wurde ein neuer Höhepunkt erreicht, als das dritte Album „Gute Reise“ (Universal Music) und die daraus ausgekoppelte Single gleichzeitig Platz 1 der offiziellen Charts besetzten.
Das Album erzielte Gold- und dreifach Platin- Verkäufe und hält sich nach 70 Wochen immer noch in den Charts.

Zusammen mit Udo Lindenberg schrieb sie den Titeltrack seines 2008 erschienenen Nummer-eins- Albums „Stark wie Zwei“ (Starwatch/WMG), das von Andreas Herbig produziert und gemischt wurde.
Das von Annette Humpe produzierte Album „Küssen kann man nicht alleine“ von Max Raabe (We Love Music/Universal Music) kletterte bis auf Rang 3 und befindet sich seit 8 Wochen in den Top-Ten der Charts.
Über weitere Zukunftspläne steht alles zur Zeit offen und Annette sagt: „Ich langweilig mich schnell und dann möchte ich was Neues oder das Gegenteil machen.“ Bei so viel Kreativität kann man noch Einiges erwarten.